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Rüstung
In Ägypten kommen neben Lederpanzern, die oft mit breiten Metallbändern (Brustschienen) verstärkt waren, Panzerhemden aus Bronzeschuppen von 20–25 cm Größe sowie Arm- und Beinschienen aus Erz schon um 1000 v. Chr. vor. Solche Schuppenpanzer waren auch bei Parthern, Persern und Sarmaten gebräuchlich und verbreiteten sich von ihnen über den ganzen Orient. Die Griechen trugen um diese Zeit schon bronzene Brust- und Rückenpanzer, je aus einem Stück geschmiedet oder aus dachziegelförmigen Schiebeplatten bestehend, und Beinschienen (Knemiden) an beiden Beinen, gleich den Etrusker.
Den Kopf schützte zunächst eine gepolsterte Zeugmütze, die Waffenkappe, Harnaschkappe oder Gugelhaube (Kugelhaube), deren dem heutigen Baschlik ähnliche Enden um den Hals geschlungen wurden. Die Gugelhaube war in der Regel das Geschenk seiner Dame und von ihr in ihren Lieblingsfarben geziert; daher schreibt sich später der Brauch der Ritter, diese Farben der Dame frei zu tragen und auf den Schild zu übernehmen. So ging aus der Gugelhaube die in der Wappenkunde so bedeutungsvolle Helmdecke (lambrequin) hervor. Sie steht auch in Beziehung zu der Zindelbinde, die ursprünglich zur Befestigung des Kleinods (cimico, daher Zimier) auf dem Helm diente, später aber als Liebespfand nur um das Kleinod oder den Helm geschlungen mit flatternden Enden getragen wurde. Über der Waffenkappe wurde dann häufig die Ringelkapuze (Maschenkappe, s. Abbildung oben: Schlacht von Askalon), unter oder über dieser die kleine Kesselhaube, die Hirnkappe, für den Kampf wohl auch der schwere Topfhelm (s. Helm, Fig. 11) getragen. In Italien war bis zum 16. Jahrhundert neben dem Haubert in verschiedenster Ausstattung, der aber immer kürzer und leichter war als der deutsche, die Brigantine, eine Schuppenpanzerjacke, gebräuchlich. Sie wurde über dem gewöhnlichen Wams mit den Schuppen nach innen, der Samt- oder Seidebekleidung nach außen getragen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde über der Brünne als zweite Schutzrüstung der enganschließende Lentner getragen. Ursprünglich ein Überkleid aus dickem Leder, das über die Lenden reichte, wurde er bald an Armen, Beinen und Brust verstärkt durch herunterlaufende eiserne Schienen oder Platten, die mit Nägelköpfen aufgenietet waren. Nach diesen wurde es auch schlechtweg Platte genannt; aus ihr entwickelte sich im Laufe des 14. Jahrhunderts die Plattenrüstung, so dass um 1360–70 die ganze Eisenhülle des geharnischten Ritters vollendet war.
Deutscher Harnisch aus der Zeit Maximilians I.: a Scheitelstück oder Glocke des Helms, b Visier, c Kinnreff, d Kehlstück, e Nackenschirm, f Halsberge, g Bruststück, h Rückenstück, i Bauchreifen mit Beintaschen und Gesäßreifen, k Vorder- und Hinterflüge, l Federstifte zum Festhalten der die Vorder- und Hinterflüge verbindenden Achselstücke, m Brechränder oder Stoßkragen, n Armzeug, Ober- und Unterarmschienen, o Armkacheln, p gefingerte Handschuhe, q Rüsthaken zum Einlegen der Lanze, r Diechlinge (Schenkelstücke), s Kniebuckel, t Beinröhren, u Schuhe (Bärenfüße oder Kuhmäuler), v Panzerschurz (oder auch unterer Teil des Ringelhemdes)
Die Bedeckung der Beine (Beinzeug) zerfiel in drei Hauptteile: die Diechlinge für die Oberschenkel, die Kniebuckel, Kniekacheln (genouilliére) oder -Kapseln und die Beinröhren (Beinschienen, Beinberge) für die Unterschenkel. Daran waren die Eisenschuhe befestigt, die früher mit langem Schnabel (Schnabelschuhe), etwa seit 1490 vorn stumpf waren (Bärenfüße, Kuhmäuler, Bärenklauen). Mit Ausnahme des Harnisches, der immer schwerer zum Widerstand gegen die Feuerwaffen aus Eisen geschmiedet wurde, fertigte man im Laufe des 16. Jahrhunderts alle Teile der Rüstung aus beweglichen Schienen. Eine besondere Widerstandskraft sollten die geriffelten Rüstungen besitzen; sie wurden meist Mailänder oder Maximiliansharnisch genannt. Um diese Zeit bemächtigte sich auch die Mode der Rüstung; zunächst wurde der Brustharnisch durch eine erhöhte Rippe, die Gräte, von oben nach unten in der Mitte geteilt, dann nahm er Fassform und runde Form an, die Kugelbrust, endlich rückte die Ausbauchung, auch Tapul genannt, einen Höcker nach unten bildend, und erhielt den bezeichnenden Namen Gansbauch. Hatte man bisher schon neben der Kriegs- oder Feldrüstung eine besondere, noch schwerere Turnierrüstung (Renn- oder Stechzeug), so wurden jetzt auch Prunkharnische Sitte. Stand doch im 16. Jahrhundert die Plattner- oder Harnischmacherkunst in höchster Blüte. Bis gegen die Mitte dieses Jahrhunderts wurde die Rüstung noch ganz aus poliertem Stahl, sogen. lichtem Eisen, gefertigt; seither versahen die Plattner Helme und Harnische mit den kunstvollsten figürlichen und ornamentalen Darstellungen in getriebener Arbeit und schmückten das lichte Eisen durch Gravieren, Niellieren, Tauschieren, Vergolden, Ätzen und Bohrarbeit (Tafel II, Fig. 8 u. 9). Nürnberg, Augsburg, München und Innsbruck waren in Deutschland die Hauptstätten der Plattnerkunst. Ende des 16. Jahrhunderts trat an die Stelle des ritterlichen der Landsknechtharnisch, gekennzeichnet besonders durch den Harnischkragen mit daran sitzenden geschobenen Achseln, den Spangröls, oder der Reiter- oder Trabharnisch. Arkebusiere und Dragoner dieser Zeit trugen ein schweres, aber kleineres und kürzeres Bruststück nebst Sturmhaube, aber kein Beinzeug; die Pikeniere hatten einen leichten, schwarzen Harnisch, eiserne Pickelhaube und kleine Beintaschen, die Schützen Brust- und Rückenstück nebst Schützenhaube. Die Rüstung der Pferd, der Rosspanzer, war wie die des Ritters ursprünglich aus Leder, dann aus Kettengeflecht, bis das Streitross gegen Ende des 15. Jahrhunderts ebenfalls mit einer vollständigen Plattenrüstung (schwerer, voller oder Tonnenharnisch) oder mit leichtem (durchbrochenem) Rossharnisch in die Schlacht ging. Sie bestand aus: dem Rosskopf, dem Halsstück (Kanz), dem Fürbug (Brustschutz auch mit Streifbuckeln an der Seite), oft zur Anbringung von Wappenemblemen benutzt, dem Gelieger, das Kruppe und Flanken schützt. Die Beine blieben unbewehrt. In Deutschland wurde die Rüstung der Pferde erst durch Maximilian I. eingeführt.
Zu Turnieren trug der Ritter häufig über der Rüstung einen Wappenrock aus Samt oder Seide in den Farben seiner Dame, der durch einen schmalen Gürtel zusammengehalten wurde, während ein breiter, reichverzierter Gurt, der Rittergürtel, links das Schwert, rechts den Dolch trug. Die Halsberge legte der Ritter zuerst an, weil an ihr der Harnisch mit Riemen befestigt wurde. Im übrigen begann das Anlegen der Rüstung an den Füßen, wozu der Ritter der Hilfe des Knappen bedurfte. Der Helm war mit einem Falz versehen, und dieser verband ihn direkt mit der Halsberge oder dem Ringkragen, so dass der Kopf seitlich bewegt werden konnte. Ferner hatte er Kinnstück (Kinnreff) und Nackenschirm, ersteres wurde mit einem Haken an der Halsberge befestigt und hielt so den Helm. Eine vollständige Rüstung wog bis 48 kg. Doch sind die größten Rüstungen jener Zeit für kräftig gebaute Männer unserer Zeit erheblich zu klein. Durch die Rüstung war der Reiter schwer und unbehilflich, die Pferde wegen der zu tragenden Last zum Chok unfähig und stürzten leicht im Kampf. Nach der Einführung der Feuerwaffen kamen die Rüstungen nach und nach außer Gebrauch, da sie gegen die Kugeln der Hakenbüchsen keine Sicherheit gewährten. Sie wurden zunächst ersetzt durch die gewöhnlich aus Elchhaut angefertigten, noch lange mit großem Ringkragen oder Halsberge aus bronziertem Eisen versehenen Koller. Auf älteste Formen der Rüstung der Menschen ermöglicht der Befund bei unseren Naturvölkern, Rückschlüsse zu ziehen. Alle Anfänge der Rüstung greifen danach auf pflanzliche Produkte zurück, wie Baumrinde, oder aber sie gehen von der Trophäe, dem Fell des erlegten Wildes aus. Daran erinnert das Fell des nemeischen Löwen, und noch heute gibt es Bärenfellpanzer in Borneo. Die Weiterentwicklung der Rüstung zielt auf die Erhöhung der Festigkeit, gepaart mit größerer Schmiegsamkeit. Jene wird erreicht durch Vervielfältigung der Einzellagen des Materials, durch Verstärkung mittels aufgelegter Horn-, Holz- oder Metallplatten, schließlich durch den Übergang zum Metall; diese durch Heranziehung feinerer und geschmeidigerer Materialien (Baumwoll- und Filzpanzer) und durch eine beweglichere Neben- und Übereinanderlagerung der Schuppen, Kettenhemden, Panzer aus Riemen- und Schnurgeflecht, aus Einzelstäbchen u. dgl. Von allen diesen Stufen sind heute noch Belege vorhanden: Baumrindenpanzer mit Hornschuppenbelag bei den Bugi auf Celebes, baumwollene Kriegsröcke aus den Landschaften Gurma, Dagomba und Mossi in Nordtogo mit aufgenähten, dicht aneinandergereihten, sehr festen Ledertäschchen. Wattepanzer gab es in früherer Zeit in Amerika (Azteken etc.), aber auch im zentralen Sudan; aus Rohtang geflochtene Panzer trägt man an der Nordküste des ehem. Deutsch-Neuguineas (in und um Angriffshafen); solche aus Kokosfasergeflecht auf den Gilbertinseln; vollständig gepanzert nach Art der europäischen Ritter erschienen in früherer Zeit die japanischen Krieger; in eine durch die kärglicher vorhandenen Hilfsmittel verursachte primitive Nachbildung dieser japanischen Panzer aus Stäbchen und Scheiben von Walrosszähnen, Knochen, Holz etc. (Stäbchenpanzer) hüllten sich früher dann auch die Naturvölker in Nordostasien und Nordamerika; Kettenpanzer endlich kommen noch heute vor in Indonesien, bei den Chewsuren im Kaukasus, im Sudan etc. Schön verzierte Baumrindenpanzer in Gestalt breiter Gürtel, die ungemein fest um die Taille geschnürt werden, sind ziemlich allgemein in Neuguinea; eine Zone von Fellkürassen zieht sich schließlich ostwestlich durch das äquatoriale Afrika vom Albert Nyanza bis zum Schari. Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909 Bibliographie
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