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Franziskaner
Noch zu Lebzeiten des Stifters führte der Gegensatz zwischen dem in der Ordensregel gepriesenen, von einer strengeren Partei festgehaltenen Ideal der schlechthinigen Armut und dem der milderen Richtung, welche die bald reichlich herbeiströmenden Mittel zur Förderung der Zwecke des Ordens praktisch zu verwerten trachtete, zu lebhaften Konflikten. Besonderen Vorschub leistete der laxeren Partei der Ordensgeneral Elias von Cortona (1232-39), bis er der päpstlichen Gunst verlustig ging. Doch blieb auch nach seiner Absetzung die Tendenz auf Milderung der franziskanischen Grundsätze, begünstigt durch die Kurie, trotz zeitweiligen Sieges der strengeren Richtung im Orden selbst (Johannes von Parma, 1247-57), bestehen. Nikolaus III. (Bulle Exiit von 1279) gestattete den Franziskanern zwar nicht den Besitz, wohl aber den Nießbrauch irdischer Güter, indem er zum Besitzer aller Ordensgüter den Papst erklärte. Durch diese Maßregel wurden die Gegensätze zwischen der Kommunität, d. h. den Anhängern der gemilderten Observanz, und den Spiritualen, der strengeren Partei, in der die apokalyptischen Gedanken des Abtes Joachim von Floris (s. Ewiges Evangelium) wieder lebendig wurden, nur verschärft. Bekannte Figuren
Unter den Bezeichnungen der »Konventualen«, d. h. den an der Milderung der Regel festhaltenden, und der »Observanten«, d. h. den die Bewahrung der ursprünglichen Regel anstrebenden, haben sich die Parteien bekämpft, bis Leo X. 1517 die endgültige Scheidung des Ordens in eine observantische und eine konventuale Abteilung aussprach. Während infolge dieser Maßregel die Konventualen allmählich zurückgingen, bildeten sich unter den Observanten fortgesetzt neue Gruppen. Die wichtigsten unter diesen Abzweigungen sind, abgesehen von dem Kapuzinerorden (s. d.), die Minoriten von der strengeren Observanz (auch Minoriten-Barfüßer, Discalceaten), zu denen auch die Alcantaristen gehören, in Portugal und Spanien, die Riformati in Italien, die Recollets (Rekollekten) in Frankreich. Letztere beide Abzweigungen verpflanzten sich auch nach Deutschland. Leo XIII., der 1892 das Protektorat über den Orden übernahm, hat 1897 diese drei Gruppen mit dem Observantenstamm als Fratres minores (braune Franziskaner) zu einem Orden zusammengeschlossen. Franziskanerobservanten gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 15.000 in etwa 1500 Klöstern. Die Franziskanerkonventualen (schwarze Franziskaner) zählten 1893: 172 Häuser mit 1462 Ordensgenossen. Die Kapuziner kamen an Zahl der Mitglieder und Häuser den Fratres minores beinahe gleich. Der oberste Aufseher und Vertreter des ganzen Ordens ist noch immer ein Kardinal, Cardinalis Protector. Im übrigen steht an der Spitze des Ordens der Generalminister oder General, auf sechs Jahre vom Generalkapitel gewählt. Und zwar haben sowohl die geeinten Fratres minores wie die Konventualen (Fratres minores conventuales) und die Kapuziner (Fratres minores capucini) je ihren eigenen General und Kardinal-Protektor. Außer den Generalkapiteln werden auch Provinzialkapitel gehalten, da der Orden in Provinzen eingeteilt ist. Eine frühere Unterabteilung in Kustodien besteht nur noch bei den Konventualen und hat auch bei diesen nur geringe Bedeutung. Die Vorsteher einer Provinz heißen Provinziale, die der Kustodien Kustoden, der Vorsteher eines einzelnen Klosters Guardian. Trotz der zahlreichen und heftigen Kämpfe in seinem Innern behauptete sich der Franziskanerorden jahrhundertelang in der Gunst des Volkes wie des römischen Hofs; jenes drängte sich zu seinen Predigten und Beichtstühlen und seinen an Ablässen und Reliquien reichen Kirchen, dieser versah ihn mit Vorrechten aller Art (s. Portiunkula-Ablass). Diese Bevorzugung rief die Eifersucht des anderen Hauptbettelordens, der Dominikaner, hervor, die zudem durch das ganze Mittelalter als Vertreter der thomistischen Tradition hindurch in lebhaftem theologischen Streit mit den Franziskanern als den Vertretern des Scotismus standen. Unter den Franziskanern während der Epoche der Scholastik finden wir die namhaftesten Gelehrten, einen Alexander von Hales, Bonaventura, Duns Scotus, Roger Baco, Nikolaus de Lyra, Occam u. a. Der äußeren Mission haben die Franziskaner eine aufopfernde, unermüdliche Tätigkeit gewidmet; die innere haben sie hauptsächlich zur Belebung der Frömmigkeit (allerdings in mehr oder weniger krasser Form), besonders in den niederen Volksschichten, betrieben. Im Mittelalter haben die Franziskaner einen großen Einfluss auf die Entwickelung der italienischen Kunst geübt, weil sie derselben umfangreiche Aufgaben stellten. Wo sich der Orden der Franziskaner verbreitete, wurden Kirchen und Klöster gebaut, die sich meist an den Typus der Mutterkirchen und -Klöster in Assisi anschlossen und mit Fresken und Altarbildern geschmückt wurden, für welche die legendarische Geschichte des Franz die Motive bot. In San Francesco in Assisi hat die italienische Freskomalerei durch Giotto und seine Schüler den ersten Aufschwung genommen, und seitdem zogen die Franziskaner gleich den Dominikanern die Kunst in ihren Dienst, um den Ruhm ihres Stifters allerorten zu verbreiten. Das Leben und die Wundertaten des Franz wurden in zusammenhängenden Zyklen dargestellt, die eine Reihe typisch gewordener Momente umfassen. Auch in der Dichtkunst haben sich Franziskaner (Thomas von Celano, Jacopone da Todi) einen Namen erworben. Über den sogen. zweiten Orden vom heiligen Franz s. Klarissen, über den dritten s. Tertiarier. Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909 Bibliographie
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